Wer glaubt, zwischen Himmel und Erde ist alles erklärbar,
befindet sich auf dem sprichwörtlichen Holzweg.

Die Puppe

Warum ich den Kofferraum meines Autos öffnete wusste ich nicht. Auch nicht, warum ich überhaupt zum Auto gelaufen war. Warum mein Mann neben mir stand, als ich mich nach vorne beugte und mein Kopf im Kofferraum verschwand und somit auch die Sicht auf ihn, wusste ich ebenso wenig. 

Ich blickte auf fünf Puppen, die in Reih und Glied im Halbdunkel nebeneinander saßen und nur darauf zu warten schienen, dass die Fahrt ins Blaue losgehen würde. Wie Kinder, die man in den falschen Teil eines Autos gesetzt hatte, umgeben von einem Verbandskasten, einem alten Teppich und einer leeren Wasserflasche.  Sie waren wunderschön anzusehen in ihren verspielten, romantischen Kleidchen und ich freute mich über sie.

Nacheinander berührte ich zaghaft ihre starr lächelnden Gesichter.

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Die Puppe

Eine Begebenheit

Ein gelblich goldenes Licht erhellte den Raum. Gedämpft genug, nicht in den Augen zu schmerzen, als sie diese öffnete. Er saß am Rand des Bettes und lächelte sie mit Güte im Blick an. Sie lächelte zurück, ohne zu wissen, wer er war. Ohne sich zu fragen, wie ein Fremder nachts, in ihre Wohnung eindringen konnte. Sie fühlte sich merkwürdig geborgen. So, als würde ein Schutzengel sie bewachen, also schloss sie die Augen und schlief wieder ein.

Als sie erneut erwachte, saß er noch immer da und sofort breitete sich sein Lächeln über ihr aus und hüllte sie ein. Jetzt betrachtete sie ihn eingehender. Er wirkte vertrauter, obwohl sein Gesicht ihr fremd blieb. Wer bist du nur? dachte sie, während wieder der Schlaf über sie kam. Der Fremde schien wie eine Droge zu wirken. Seine bloße Anwesenheit wiegte sie in Sicherheit, ließ sie sich wohl fühlen. Ließ sie dahin dämmern und ins Reich der Träume sinken.

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Eine Begebenheit

Visionen und Abschied

Meine Ehemann und ich saßen wie so oft an einem Sonntag, bei meinen Eltern am Mittagstisch. Mamas Erzählungen über Papa trieben mir kurze, aber intensive Schauer über den Rücken. Papa hörte, ohne eine Regung zu zeigen, oder sich einzumischen, zu. Nachdenklich stocherte ich in meinem Essen herum. Gott sei gekommen und hätte zu Papa gesagt, er sei sein Vater. Mama habe dann mit Papa diskutiert und ihn gefragt, ob er nicht mehr wüßte, wer sein Vater gewesen sei? Papa hätte dann kurz geweint, aber nichts weiter erwidert. Er wurde immer sehr weinerlich und wortkarg, wenn wir ihn auf seine Visionen ansprachen, an die ich, im Übrigen, glaubte. Dies wußte Mama und brachte sie dann immer ins Straucheln und Nachhaken bei Vater.

Ebenso erzählte sie uns, dass sie morgens aufgewacht sei und jemand habe an den Rolladen geklopft und ihren Namen gerufen. Nachdem sie am Schlafzimmerfenster nachgeschaut hatte und niemand zu sehen war, ging sie mit unguten Gefühlen wieder ins Bett. Papa schlief.

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Visionen und Abschied

Morgen-Grauen

Irgendetwas weckte Grit.

Schwaches Tageslicht drang durch das heruntergelassene Rollo ins Schlafzimmer. Die Einrichtung lag im Halbdunkel. Der Radiowecker zeigte 5.00 Uhr an. Ihr Blick verweilte kurz auf den rotleuchtenden Ziffern. Schon drehte sie sich wieder auf die Seite. Eine krächzende Stimme rief leise, aber deutlich ihren Namen.

„Griiit! Griiit!“

Verschlafen rieb sie sich die Augen, während sie sich aufsetzte. Ihr Mann schlief tief und fest. Sein Atem klang gleichmäßig und ruhig. Er konnte nicht gerufen haben.

 „Griiit!“

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Morgen-Grauen